Lebensversicherung beitragsfrei stellen: Infos, Tipps & Vorlage

Infos zu Lebensversicherung beitragsfrei stellen
Möchten Sie Ihre Lebensversicherung beitragsfrei stellen, müssen Sie ein paar Dinge beachten.

Aktualisiert am von Ömer Bekar

Infos zu Lebensversicherung beitragsfrei stellen
Möchten Sie Ihre Lebensversicherung beitragsfrei stellen, müssen Sie ein paar Dinge beachten.

Die Laufzeit einer Lebensversicherung erstreckt sich über viele Jahre. Oft sind es sogar mehrere Jahrzehnte. In diesem langen Zeitraum kann es durchaus passieren, dass Sie die monatlichen Beiträge nicht in unveränderter Höhe zahlen können oder wollen. Doch eine Kapitallebensversicherung vorschnell zu kündigen, ist eher selten eine gute Idee. Denn dadurch verlieren Sie nicht nur den Versicherungsschutz, sondern meist auch Geld. Um sich finanzielle Luft zu verschaffen, können Sie die Lebensversicherung stattdessen beitragsfrei stellen. Das ist sowohl zeitweise als auch dauerhaft möglich. Wir erklären, was Sie zur Beitragsfreistellung wissen sollten.

Eine Lebensversicherung ist ziemlich teuer ist und die Renditeversprechen werden längst nicht immer erfüllt. Trotzdem gehört die Lebensversicherung in Deutschland noch immer zu den beliebtesten Formen der privaten Altersvorsorge. Und dafür gibt es mehrere Gründe.

So gilt die Versicherung zum einen als sichere Geldanlage. Zum anderen schützt sie nicht nur den Versicherten, sondern sichert auch seine Angehörigen ab. Außerdem führt die sehr lange Laufzeit dazu, dass Sie mit recht kleinen Monatsbeiträgen ein solides Finanzpolster fürs Alter ansparen können.

Doch gerade die lange Laufzeit ist auch der große Knackpunkt. Denn wer kann schon vorhersehen, was in 20 oder 30 Jahren sein wird?

Kommen Sie in die Situation, dass Sie die Prämien nicht mehr bezahlen können oder wollen, können Sie die Versicherung kündigen. Doch das bedeutet für Sie meist einen finanziellen Verlust. Deshalb sollten Sie prüfen, ob es nicht bessere Lösungen gibt. Und eine davon kann sein, die Lebensversicherung beitragsfrei stellen zu lassen.

►Vorlage: So können Sie die Beitragsfreistellung beantragen

Wie schon erwähnt, ist es Ihr gutes Recht, Ihre Lebensversicherung beitragsfrei zu stellen. Möchten Sie diese Möglichkeit nutzen, reicht eine kurze Nachricht an Ihren Versicherer aus.

Einige Versicherungen haben dafür auf ihren Internetseiten sogar Musterbriefe hinterlegt, die Sie herunterladen können. So eine Vorlage müssen Sie dann nur mit Ihren Daten ergänzen und unterschrieben an den Versicherer schicken. Ansonsten können Sie den Antrag wie folgt formulieren:

Ihr Name
Anschrift

Lebensversicherung
Anschrift

Datum

Beitragsfreistellung meiner Lebensversicherung

Policennummer: ____________________
Kundennummer: ____________________

Sehr geehrte Damen und Herren,

bitte stellen Sie die oben genannte Lebensversicherung zum nächstmöglichen Zeitpunkt beitragsfrei.

Die Konsequenzen einer Beitragsfreistellung sind mir bekannt. Kontaktaufnahmen zu Beratungszwecken sind daher nicht notwendig und ich bitte, davon abzusehen.

Mit Beginn der Beitragsfreistellung widerrufe ich die Ihnen erteilte Einzugsermächtigung.

Bitte schicken Sie mir zeitnah eine Bestätigung über die Umwandlung in eine beitragsfreie Lebensversicherung und ggf. einen entsprechenden Nachtrag zum Versicherungsschein zu. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen
Unterschrift

Wenn Sie die Police vorübergehend stilllegen wollen

Es gibt mehrere Möglichkeiten, um eine Lebens- oder Rentenversicherung zum Beispiel bei finanziellen Engpässen stillzulegen. Und viele Versicherte machen davon auch Gebrauch. Eine Umfrage hat ergeben, dass hierzulande gut jede vierte Lebensversicherung beitragsfrei gestellt ist.

Statt die Police auszusetzen, ist auch möglich, die Beiträge insgesamt zu senken. Dazu können Sie die Höhe der Versicherungssumme reduzieren. Dadurch werden die Prämien ebenfalls niedriger. Daneben können Sie eine vereinbarte Dynamik herausnehmen oder eingeschlossene Zusatzversicherungen, die Sie nicht unbedingt brauchen, streichen.

Welche Lösung die beste Wahl ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Vielmehr muss immer die individuelle Situation gesehen werden. Wenn Sie eine gewisse Zeit lang keine Prämien bezahlen können oder möchten, gibt es jedenfalls folgende Optionen:

Die Beiträge stunden

Viele Versicherungen bieten ihren Kunden an, die Beiträge für einen gewissen Zeitraum zu stunden. Meist beträgt dieser Zeitraum ein bis zwei Jahre. In dieser Zeit müssen Sie keine Beiträge bezahlen. Trotzdem läuft die Versicherung weiter und die Leistungen bleiben bestehen. Auch die Verzinsung des Guthabens wird unverändert fortgeführt. Die Ablaufleistung schmälert sich deshalb nicht.

Dass sich die Versicherungssumme nicht ändert, liegt aber daran, dass Sie die gestundeten Beiträge nachzahlen müssen. Oft werden für die Stundung zusätzlich auch noch Zinsen fällig.

Deshalb macht eine Stundung letztlich nur dann Sinn, wenn Ihre finanzielle Flaute wirklich nur vorübergehend ist. Und wenn feststeht, dass Sie die gestundeten Prämien samt Zinsen zum vereinbarten Stichtag aufbringen können.

Die Prämien aus Überschüssen bezahlen

Besteht Ihre Lebensversicherung schon länger, haben sich zwischenzeitlich Überschüsse angesammelt. Diese Überschüsse können Sie nutzen, um damit die Beiträge zu finanzieren. Ihr Versicherungsschutz bleibt so bestehen und Sie müssen später keine Prämien nachzahlen.

Allerdings können Sie die Beitragszahlung natürlich nur solange aus den Überschüssen leisten, bis diese aufgebraucht sind. Und: Die Auszahlung bei Ablauf der Versicherung wird sich deutlich schmälern. Denn die Überschüsse, die Sie dann bekommen hätten, haben Sie ja schon für die Zahlung der Prämien verwendet.

Die Lebensversicherung beitragsfrei stellen

Sie können Ihre Lebensversicherung beitragsfrei stellen lassen. Dadurch ist sie gewissermaßen stillgelegt. Sie zahlen keine Beiträge mehr. Der Schutz aus einer eingeschlossenen Zusatzversicherung wie zum Beispiel einer Unfall– oder Berufsunfähigkeitsversicherung fällt damit aber auch weg.

Möchten Sie nicht auf den Zusatzschutz verzichten, sollten Sie deshalb gut abwägen. Sie können sich erkundigen, ob Ihr Versicherer die zusätzlichen Versicherungen in eigenständige Verträge überführen kann. Oft ist das möglich und kostengünstiger, als komplett neue Versicherungen abzuschließen.

Stellen Sie Ihre Lebensversicherung beitragsfrei, wirkt sich das auf die Versicherungssumme aus. Denn weil Sie weniger Geld eingezahlt haben, haben Sie auch weniger Guthaben für die Ablaufleistung und die Auszahlung im Todesfall angespart. Außerdem laufen die Verwaltungskosten weiter. Das reduziert das Guthaben ebenfalls. Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen sinkt das Fondsvermögen.

Möchten Sie die Lebensversicherung nur vorübergehend beitragsfrei stellen, muss Ihr Versicherer damit einverstanden sein. Meistens stimmen die Versicherer einer Beitragsfreistellung über ein oder zwei Jahre zu.

Allerdings unter der Voraussetzung, dass Sie schon eine bestimmte Versicherungssumme angespart haben. Ist die Mindest-Versicherungssumme noch nicht erreicht, hat der Versicherer das Recht, den Vertrag komplett aufzulösen und Ihnen den Rückkaufswert auszuzahlen.

Anstelle einer Beitragsfreistellung kommen manche Lebensversicherungen ihren Kunden auch mit dem Angebot entgegen, den Vertrag ruhend zu stellen. Ruht die Police, besteht sie zwar weiterhin, doch der Versicherungsschutz ist ausgesetzt. Er lebt erst wieder auf, wenn Sie nach Ablauf der Vereinbarung auch die Zahlung der Prämien wieder aufnehmen.

Für die Zeit, in der die Lebensversicherung geruht hat, müssen Sie keine Beiträge nachzahlen. Allerdings sinkt dadurch die Ablaufleistung entsprechend.

Wenn Sie die Lebensversicherung bis zum Ende der Laufzeit beitragsfrei stellen wollen

Steht fest, dass Sie nichts mehr in Ihre Lebensversicherung einzahlen werden, können Sie über eine Kündigung nachdenken. Der Versicherer zahlt Ihnen in diesem Fall den Rückkaufswert aus. Der Rückkaufswert errechnet sich aus den eingezahlten Beiträgen, den Zinsen und den anteiligen Überschussbeteiligungen.

Weil aber sämtliche Kosten, Provisionen und Stornogebühren abgezogen werden, ist der Rückkaufswert meist niedriger als das, was Sie eingezahlt haben. Vor allem bei älteren Verträgen mit einer satten Verzinsung ist eine Kündigung deshalb meist nicht sinnvoll.

Eine andere Möglichkeit ist, dass Sie die Police verkaufen. Durch einen Verkauf der Police können Sie oft einen etwas höheren Erlös erzielen, als das, was Ihnen der Versicherer als Rückkaufswert auszahlen würde. Außerdem bleibt Ihnen trotz Verkauf die Leistung im Todesfall meist erhalten.

Für Ankäufer sind Lebensversicherungen aber in aller Regel nur dann interessant, wenn der Rückkaufswert bei 10.000 Euro oder mehr liegt und die Restlaufzeit noch mindestens 15 Jahre beträgt.

Eine gute Lösung kann daher sein, die Lebensversicherung bis zum Ende der Laufzeit beitragsfrei zu stellen. Diese Möglichkeit muss Ihnen der Versicherer einräumen. Das ist sogar gesetzlich geregelt, nämlich in § 165 VVG (Versicherungsvertragsgesetz).

Allerdings muss für die Umwandlung in eine prämienfreie Versicherung ein gewisses Mindestguthaben vorhanden sein. Ist dem nicht so, kann der Versicherer den Vertrag beenden.

Schauen Sie in der Jahresmitteilung nach

Ihr Lebensversicherer schickt Ihnen einmal pro Jahr eine Mitteilung zu. Dort sind der Stand der Lebensversicherung und der aktuelle Rückkaufswert aufgeführt. Außerdem steht in der Mitteilung, wie sich die Versicherungssumme und die erwartete Ablaufleistung verändern, wenn Sie den Vertrag bis zum Ende der Laufzeit beitragsfrei fortsetzen.

Zahlen Sie keine weiteren Beiträge mehr ein, wirkt sich das auf die Versicherungssumme, die Leistung bei Vertragsende und die Leistung im Todesfall aus. Denn durch die Beitragsfreistellung zahlen Sie weniger Geld ein, als ursprünglich vereinbart. Zusätzliche Leistungen aus eingeschlossenen Zusatzversicherungen fallen bei einer Beitragsfreistellung komplett weg.

Beachten Sie mögliche Steuernachteile

Dass Sie Ihre Lebensversicherung beitragsfrei stellen können, ist gesetzlich geregelt. Doch einen Anspruch darauf, die Beitragszahlung später wieder aufzunehmen, haben Sie nicht. Möchten Sie nach einer Beitragspause doch wieder Prämien einzahlen, müssen Sie auf das Okay Ihres Versicherers hoffen.

Die meisten Versicherer erklären sich mit einer Rückkehr zum alten Vertrag einverstanden, wenn Sie die Beitragszahlung innerhalb von einem Jahr wieder aufnehmen. Oft können Sie die ausgesetzten Beiträge dann nachzahlen. Dadurch bleibt die ursprünglich vereinbarte Ablaufleistung erhalten.

Manche Versicherer ermöglichen auch eine Rückkehr innerhalb von zwei Jahren. Hatten Sie Ihre Lebensversicherung länger beitragsfrei gestellt, wird meist eine erneute Gesundheitsprüfung verlangt. Und je nachdem, wie sie ausfällt, kann der Versicherer die Rückkehr zum alten Vertrag verweigern oder nur unter angepassten Bedingungen erlauben.

Abgesehen von den Vorgaben des Versicherers, sollten Sie aber noch einen anderen Punkt im Blick behalten: die Steuern. Denn wenn Sie Ihre Lebensversicherung beitragsfrei stellen und die Prämienzahlung später wieder aufnehmen, verlieren Sie möglicherweise die Steuervorteile.

Haben Sie den Vertrag vor 2005 abgeschlossen, können Sie maximal zwei Jahre lang mit den Beiträgen pausieren. Dann bleiben auch die Erträge aus den Einzahlungen nach der Beitragsfreistellung steuerfrei.

Kapitalbildende Lebensversicherungen, die nach 2005 geschlossen wurden, haben eine Frist von drei Jahren. Die Steuervorteile behalten Sie also, wenn Sie innerhalb von drei Jahren wieder Prämien bezahlen. Allerdings ist bei diesen Lebensversicherungen ohnehin nur die Hälfte der Erträge steuerfrei. Und das auch nur dann, wenn Sie bei Vertragsende mindestens 60 Jahre alt sind und Ihr Vertrag länger als zwölf Jahre bestand.

Erfolgt die Auszahlung Ihrer Lebensversicherung als monatliche Zusatzrente, hat die Beitragsfreistellung keine steuerlichen Auswirkungen. Ob Sie die Beitragszahlung zwischendurch ausgesetzt hatten oder nicht, spielt bei einer Rente aus der Lebensversicherung mit Blick auf die Besteuerung also keine Rolle.